Schallschutz Büro
Lärm im Büro kostet messbar Produktivität und Konzentration. Wir zeigen, welche akustischen Maßnahmen im Großraum, Einzelbüro und Homeoffice wirken und welche Anforderungen DIN 18041 und ASR A3.7 stellen.
Normen und Anforderungen
Für Büros gelten zwei zentrale Regelwerke. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.7 setzt den maximalen Beurteilungspegel im Büro auf 55 dB(A) bei einfachen Tätigkeiten und auf 70 dB(A) bei überwiegend mechanischen Tätigkeiten. Für konzentrierte Bürotätigkeit gilt 55 dB(A) als Obergrenze.
Die DIN 18041:2016 regelt die Hörsamkeit und die Nachhallzeit in Räumen. Für Büros gilt eine Soll-Nachhallzeit zwischen 0,5 und 0,8 Sekunden. In offenen Büros kommt der STI-Wert (Speech Transmission Index) hinzu, der die Sprachverständlichkeit am Nachbartisch begrenzen soll, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.
Die Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5141 ergänzt die Anforderungen für Großraumbüros mit Empfehlungen zur Anordnung, zu Abschirmungen und zur akustischen Möblierung. Die Anforderungen sind nicht zwingend Pflicht, in arbeitsschutzrechtlichen Auseinandersetzungen aber Maßstab.
Großraumbüro nach DIN 18041
Im Großraumbüro ist der größte Stressfaktor nicht der absolute Pegel, sondern die Verständlichkeit von Gesprächen am Nachbartisch. Wenn Sie verstehen, was am Nachbartisch geredet wird, können Sie sich nicht konzentrieren. Die wirksamste Maßnahme ist daher die Reduktion der Sprachausbreitung.
Vollabgeschirmte Stellwände mit Akustikfüllung dämpfen die Sprachausbreitung zwischen Arbeitsplätzen um 8 bis 14 dB. Pflicht im DIN-18041-Konzept für konzentriertes Arbeiten.
Schwebende Mineralwoll-Paneele über jedem Arbeitsplatz, 1,5 bis 3 m² Größe. Reduzieren die Nachhallzeit deutlich und brechen die Schallreflexion an der Decke. Wirkung: Nachhall von 1,2 s auf 0,5 s.
Teppich oder akustisch wirksamer Vinylbelag mit Untervlies. Reduzieren Schrittgeräusche und brechen die Reflexion am Boden. Wichtig für Mitarbeiter, die wenig auf den Bildschirm starren.
Pro 10 Arbeitsplätze mindestens eine Telefonzelle oder eine Besprechungs-Box mit Tür. Sonst werden Anrufe im Großraum geführt und der Geräuschpegel steigt um 5 bis 10 dB.
Einzelbüro und kleine Teams
Im klassischen Einzelbüro oder im Team-Büro mit 2 bis 4 Arbeitsplätzen ist die akustische Herausforderung anders. Hier dominiert der Nachhall durch die kahlen Wände und der Schalldurchgang zum Nachbarbüro durch die Trennwand.
Bei Trennwänden zwischen Büros sind 35 bis 42 dB Schalldämmung üblich. Für vertrauliche Gespräche sollten 45 dB erreicht werden. Glaswände mit doppelter Verglasung und elastischen Anschlüssen erreichen 38 bis 45 dB, je nach Aufbau. Komplett geschlossene Wände mit Doppelständerwerk und Mineralwolle kommen auf 52 bis 58 dB.
Im Einzelbüro reichen meist 3 bis 5 m² Akustikfläche an einer Wand oder ein Akustikbild und ein Teppich, um die Nachhallzeit unter 0,6 Sekunden zu drücken. Investment: 400 bis 1.200 Euro je nach Raumgröße.
Homeoffice akustisch optimieren
Im Homeoffice kommt häufig die Doppelbelastung dazu: schlechte Raumakustik und Außenlärm aus dem Haushalt. Die wichtigste Maßnahme ist ein Akustikbild hinter dem Schreibtisch (1 bis 2 m² Mineralwolle mit Stoffüberzug), das die Sprachverständlichkeit für Videocalls deutlich verbessert.
Gegen Außengeräusche aus der Wohnung hilft eine massive Tür und im Idealfall eine zweite Tür im Flur. Wenn das Homeoffice direkt an einen lauten Raum grenzt (Küche, Kinderzimmer), sind Schalldämmkleberrahmen am Türblatt oder eine zweite Tür sinnvoll.
Headsets mit aktiver Geräuschunterdrückung reduzieren die Belastung im Videocall, sind aber kein Ersatz für eine vernünftige Raumakustik. Schwere Vorhänge, Teppich und mindestens eine akustisch wirksame Fläche pro Wand sind Pflicht für regelmäßiges Homeoffice.
Investment und Amortisation
Akustikmaßnahmen im Büro amortisieren sich über die Produktivität. Studien des Fraunhofer-Instituts zeigen Produktivitätssteigerungen von 5 bis 15 Prozent bei guter Akustik im Vergleich zu kahlen Räumen. Bei einem mittleren Bürogehalt von 60.000 Euro entspricht das 3.000 bis 9.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.
| Maßnahme | Kosten pro Arbeitsplatz | Wirkung |
|---|---|---|
| Akustikdeckensegel | 200 bis 400 Euro | Nachhall um 30 bis 50 Prozent kürzer |
| Stellwände mit Akustikfüllung | 350 bis 800 Euro | Sprachausbreitung um 8 bis 14 dB reduziert |
| Akustikteppich plus Untervlies | 80 bis 200 Euro | Trittschall und Reflexion gemildert |
| Telefonkabine (geteilt 10 Personen) | 300 bis 700 Euro | Komplette Abschirmung für Anrufe |
Häufige Fragen
Welche Norm gilt für Büroakustik?▾
DIN 18041 für die Nachhallzeit (0,5 bis 0,8 Sekunden), ASR A3.7 für den maximalen Beurteilungspegel (55 dB(A) bei konzentriertem Arbeiten).
Was ist die wichtigste Maßnahme im Großraumbüro?▾
Stellwände mit Akustikfüllung zwischen Arbeitsplätzen, weil sie die Sprachausbreitung um 8 bis 14 dB reduzieren und konzentriertes Arbeiten ermöglichen.
Was kostet ein vollständiges Akustikkonzept für ein Großraumbüro?▾
Pro Arbeitsplatz 800 bis 1.800 Euro, je nach Ausstattung und Trennwand-Niveau. Amortisation über Produktivitätsgewinn meist innerhalb eines Jahres.
Reichen Akustikpaneele an der Decke aus?▾
Im Einzelbüro oft ja, im Großraum nein. Im Großraum brauchen Sie Stellwände plus Deckensegel plus Bodenbelag plus Rückzugsräume als Gesamtpaket.
Welche Anforderung gilt für Trennwände zwischen Büros?▾
35 bis 42 dB für normalen Bürobetrieb, 45 dB für vertrauliche Gespräche, 52 dB plus für Geschäftsleitungs- und Personalbüros.