Schallschutz Vorhang
Ein schwerer Vorhang kann den Schalldruckpegel im Raum spürbar senken und Nachhall reduzieren. Gegen tiefe Frequenzen und Außenlärm hilft er allerdings nur begrenzt. Wir zeigen, was Schallschutzvorhänge können und wo Sie zu Schallschutzfenstern oder Akustikpaneelen greifen sollten.
Wie ein Schallschutzvorhang wirkt
Schallschutzvorhänge sind keine Schalldämmung im bauphysikalischen Sinne. Sie wirken vor allem auf die Raumakustik, also auf den Nachhall und die Reflexion an glatten Wänden und Fenstern. Ein dicker Vorhang aus Velours oder Bühnenmolton mit 400 bis 600 g/m² absorbiert mittlere und hohe Frequenzen ab etwa 500 Hz spürbar. Tiefe Frequenzen unter 250 Hz bleiben weitgehend ungebremst.
Der Effekt auf den Schalldruckpegel im Raum liegt typischerweise bei 3 bis 7 dB Reduktion bei mittleren Frequenzen. Das wird subjektiv als deutlich angenehmer empfunden, weil Sprachverständlichkeit und Höreindruck profitieren. Eine Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke (10 dB Reduktion) erreichen Sie damit allerdings nicht.
Gegen Außenlärm durch geschlossene Fenster wirkt der Vorhang sehr begrenzt. Hier dämpft das Glas, nicht der Stoff vor dem Glas. Wer Straßenlärm wirksam reduzieren will, kommt um ein Schallschutzfenster der Schallschutzklasse 3 oder höher nicht herum.
Materialien und Flächengewicht
Die akustische Wirkung eines Vorhangs hängt fast ausschließlich vom Flächengewicht und der Faltentiefe ab. Glatt hängender Stoff wirkt schwächer als dicht gefalteter, weil der dreidimensionale Aufbau mehr Reibungsfläche bietet. Faustregel: doppelte Stoffbreite, mindestens 100 Prozent Mehrweite.
| Material | Flächengewicht | Akustische Klasse |
|---|---|---|
| Bühnenmolton | 300 bis 500 g/m² | Klasse C bis B nach DIN EN ISO 11654 |
| Velours mit Akustikvlies | 600 bis 900 g/m² | Klasse A oder B |
| Standardvorhang aus Polyester | 120 bis 200 g/m² | Keine Einstufung, nur leichte Dämpfung |
| Akustik-Schiebevorhang mit Filz | 500 bis 800 g/m² | Klasse B, oft geprüft |
Achten Sie bei Herstellerangaben auf die Klassifizierung nach DIN EN ISO 11654. Klasse A absorbiert mindestens 90 Prozent, Klasse B 80 bis 89 Prozent, Klasse C 60 bis 79 Prozent. Werte ohne Klasse und ohne Prüfberichte sind Marketing-Versprechen ohne belastbare Basis.
Richtige Anbringung für maximale Wirkung
Damit ein Schallschutzvorhang wirklich wirkt, muss er bis zum Boden reichen und am oberen Rand möglichst dicht abschließen. Eine umlaufende Doppelschiene mit Rückwandstoff erhöht die Wirkung um weitere 2 bis 4 dB, weil Reflexionen an der Wand reduziert werden.
Optimal sind 15 bis 25 cm Abstand zur Wand. Dieser Luftpolster wirkt als zusätzlicher Resonator und verbessert die Absorption gerade im tieferen Mittelfrequenzbereich. Bei direkter Wandmontage entfällt dieser Effekt fast vollständig.
Schließen Sie die Decke ein: ein bis zum Boden reichender Vorhang über die volle Fensterbreite, plus akustischer Deckensegel oder Filz-Pinnwand an der gegenüberliegenden Wand, ergeben die größte Wirkung im Wohnzimmer oder Homeoffice.
Wann der Vorhang nicht ausreicht
Gegen Außenlärm hilft kein Vorhang. Bei Straßen-, Bahn- oder Fluglärm setzen Sie auf ein Schallschutzfenster der Klasse 3 oder höher nach VDI 2719. Die Schalldämmung liegt dort bei 30 bis 45 dB, im Vergleich zu einem alten Einfachfenster mit 18 bis 22 dB.
Gegen Trittschall aus der Wohnung darüber hilft ebenfalls kein Vorhang, sondern eine Trittschalldämmung im Boden der Nachbarwohnung. Wenn die Nachbarwohnung nicht zugänglich ist, hilft als Notlösung eine abgehängte Decke mit Mineralwolle, die den Luftschall aus der Decke um 5 bis 10 dB reduziert.
Für Raumakustik in offenen Wohnzimmern oder Großraumbüros bringen Akustikpaneele aus Melaminharzschaum oder Mineralwolle mit Stoffüberzug deutlich mehr als der Vorhang allein. Mit Paneelen plus Vorhang plus Teppich erreichen Sie eine angenehme Nachhallzeit von 0,4 bis 0,6 Sekunden in einem Wohnzimmer.
Kauftipps und Preisspannen
Für ein Wohnzimmerfenster mit 2,5 m Breite und 2,4 m Höhe benötigen Sie etwa 5 bis 6 Laufmeter Stoff bei doppelter Mehrweite. Bühnenmolton kostet ab 25 Euro pro Laufmeter, hochwertiger Akustikvelours mit Vlies ab 60 Euro pro Laufmeter. Mit Konfektion und Beschlag landen Sie bei 250 bis 700 Euro pro Fenster.
Vorgefertigte Schallschutzvorhänge aus dem Onlinehandel starten bei 80 Euro pro Vorhangschal. Achten Sie auf das Flächengewicht und auf eine konkrete Angabe zur Schallabsorption nach DIN EN ISO 11654. Bilder allein und Marketing-Texte ohne Messwerte sagen über die Wirkung nichts aus.
Wenn Sie Profis beauftragen, fragen Sie nach einer akustischen Berechnung des Raums vor der Maßnahme. Eine kleine Nachhallmessung mit Smartphone-App oder Profitechnik kostet wenig und vermeidet, dass Sie nach der Installation enttäuscht sind.
Häufige Fragen
Wieviel dB bringt ein Schallschutzvorhang?▾
Im Raum (Nachhall) typischerweise 3 bis 7 dB bei mittleren Frequenzen. Tiefe Frequenzen unter 250 Hz und Außenlärm werden kaum reduziert.
Hilft ein Schallschutzvorhang gegen Straßenlärm?▾
Nur sehr begrenzt. Gegen Außenlärm wirkt das Fenster selbst, nicht der Stoff davor. Ein Schallschutzfenster der Klasse 3 ist die wirksame Lösung.
Welches Material ist am besten?▾
Bühnenmolton ab 400 g/m² oder Akustikvelours mit Vlies ab 600 g/m². Klasse A oder B nach DIN EN ISO 11654 prüfen.
Wie tief muss der Vorhang gefaltet sein?▾
Mindestens 100 Prozent Mehrweite, besser 150 Prozent. Glatt hängender Stoff wirkt deutlich schwächer.
Was kostet ein Schallschutzvorhang?▾
Pro Fenster 250 bis 700 Euro bei Maßanfertigung mit hochwertigem Stoff. Konfektionsware ab 80 Euro pro Vorhangschal.